Nähe zur Kunst ohne Kompromisse bei der Sicherheit

Wie die Kunsthalle München Skulpturen mit 3D-LiDAR schützt

Überblick

Die Kunsthalle München zählt mit rund 350.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Ausstellungshäusern Deutschlands. Mit zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr liegt für die Kunsthalle ein großer Fokus auf dem Zusammenspiel von Besuchererfahrung, kuratorischem Freiraum und Sicherheit. Für die Ausstellung „Haar – Macht – Lust“ stand das Museum vor der Herausforderung, wertvolle Skulpturen offen und ohne schützende Glashauben zu präsentieren – bei gleichzeitig höchsten Anforderungen an den Schutz der Exponate.

Gemeinsam mit Blickfeld wurde eine flexible Sicherheitslösung auf Basis von 3D-LiDAR-Sensoren umgesetzt. Das System ermöglicht eine präzise Überwachung der Ausstellungsstücke und lässt sich unkompliziert an zukünftige Ausstellungskonzepte anpassen.

Herausforderung

Museen bewegen sich stets im Spannungsfeld zwischen Zugänglichkeit, Ästhetik und Schutz. In der Kunsthalle München wird diese Herausforderung zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Ausstellungen regelmäßig wechseln – meist zweimal pro Jahr. Beim Ausstellungswechsel bleibt nur wenig Zeit, um Räume umzubauen, neue Wegeführungen zu schaffen und neue Exponate zu inszenieren – und zu schützen.

Dabei verändert sich nicht nur der Inhalt der Ausstellung, sondern häufig auch die Architektur im Raum selbst: Temporäre Wände werden versetzt, Raumkonzepte neu gedacht und Besucherströme anders gelenkt. Für die Ausstellung „Haar – Macht – Lust“ kam eine weitere Besonderheit hinzu. Insgesamt sieben Skulpturen sollten gemeinsam auf einem großen Tisch in der Mitte des Raumes präsentiert werden – bewusst offen und ohne einzelne Schutzhauben. Gerade diese unmittelbare Wirkung der Kunstwerke im Raum war ein wichtiger Bestandteil des kuratorischen Konzepts.

Gleichzeitig haben die Leihgebenden bestimmte Vorgaben, wie sie ihre Kunstwerke geschützt wissen wollen. Ein Schaden an den Exponaten hätte nicht nur finanzielle Konsequenzen, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf das Vertrauen zukünftiger Leihgeber und Leihgeberinnen gehabt.

Bereits vorhandene Sicherheitslösungen konnten diese Anforderungen nur teilweise erfüllen. Während kapazitive Magnetfelder erfolgreich zum Schutz von Gemälden eingesetzt werden, erwiesen sich die bisherigen Systeme bei den freistehenden Skulpturen als weniger geeignet. Die Kunsthalle suchte daher eine Lösung, die die Büsten absichert und gleichzeitig auch unkompliziert für zukünftige Ausstellungen eingesetzt werden kann.

Lösung

Die Entscheidung fiel auf 3D-LiDAR-Sensoren von Blickfeld – vor allem wegen ihrer flexiblen Integration, ihrer zuverlässigen Detektion und der Möglichkeit, Sicherheitszonen softwarebasiert individuell zu definieren.

Ein wesentlicher Vorteil zeigte sich bereits bei der Installation: Die Sensoren konnten mithilfe eines Adapters direkt in die vorhandenen 3-Phasen-Schienen an der Decke integriert werden. Dadurch ließ sich die Lösung ohne größere bauliche Eingriffe, abgesehen vom Kabelverlegen in der Decke, in unterschiedlichen Räumen einsetzen und bei zukünftigen Ausstellungen unkompliziert neu positionieren.

In der Ausstellung selbst übernahmen die Sensoren an zwei Orten die Absicherung von mehreren Skulpturen, über denen in der vom LiDAR-Sensor generierten Punktwolke virtuelle Sicherheitszonen eingerichtet wurden. Sobald etwas in diese Zone eindringt, Besuchende also beispielsweise der Statue zu nah kommen oder in ihre Richtung greifen, wird ein Warnton ausgelöst. Das Sicherheitspersonal reagiert daraufhin unmittelbar und kann Besuchende freundlich auf den notwendigen Abstand hinweisen – ohne dass physische Barrieren die Wirkung der Ausstellung beeinträchtigten.

Besonders anspruchsvoll war ein weiterer Raum, in dem Skulpturen auf einem Tisch aufgestellt sind, der eine Säule umfasst. Um mögliche Verschattungen zu vermeiden und alle Bereiche zuverlässig zu erfassen, wurden dort zwei Sensoren kombiniert. So konnte eine lückenlose Überwachung trotz der Raumstruktur mit Säule gewährleistet werden.

Wichtig war zudem die nahtlose Einbindung in die bestehende Sicherheitsinfrastruktur der Kunsthalle. Der Alarmmechanismus blieb identisch zu den bereits eingesetzten Technologien, sodass für das Sicherheitspersonal keine neuen Abläufe erforderlich waren. Die Umsetzung erfolgte gemeinsam mit dem langjährigen Sicherheitsintegrator des Museums.

 

Ergebnisse

Mit dem Einsatz der 3D-LiDAR-Technologie konnte die Kunsthalle München ein Ausstellungskonzept realisieren, das zuvor nur schwer umsetzbar gewesen wäre.

Die Skulpturen konnten offen und ohne störende Schutzhauben präsentiert werden, wodurch die räumliche Wirkung der Ausstellung vollständig erhalten blieb. Gleichzeitig erfüllte die Lösung die hohen Sicherheitsanforderungen der Leihgebenden und des Museums.

Für die Kunsthalle bedeutete dies nicht nur einen technologischen Fortschritt, sondern auch mehr kuratorische Freiheit. Die Ausstellung konnte genau in der Form umgesetzt werden, wie sie ursprünglich geplant war – ohne Kompromisse zwischen Ästhetik und Sicherheit.

Auch im laufenden Betrieb überzeugte das System. Wie bei jeder neuen Ausstellung zeigte sich erst nach der Eröffnung, wie sich die Besucherinnen und Besucher tatsächlich durch die Räume bewegen. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden die Sicherheitszonen innerhalb kurzer Zeit softwareseitig feinjustiert und optimal an die spezifische Raum- und Objektanordnung angepasst. Dadurch ließ sich die Zahl der Falschalarme reduzieren und die Überwachung weiter optimieren, ohne das Besuchserlebnis einzuschränken.

Sowohl die Kunsthalle als auch die Leihgebenden zeigten sich mit dem Schutzkonzept zufrieden, während die Besucherinnen und Besucher die Kunstwerke ohne sichtbare Barrieren erleben konnten.

Wir tragen eine große Verantwortung gegenüber unseren Leihgebenden. Mit der LiDAR-basierten Überwachung konnten wir ein Sicherheitsniveau schaffen, das den Schutz der Exponate gewährleistet und uns zusätzliche kuratorische Flexibilität gibt.
Gerhard Karl
Technische Leitung, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Ausblick

Die erfolgreiche Umsetzung in „Haar – Macht – Lust“ zeigt, welches Potenzial flexible 3D-LiDAR-Technologie für Museen und Ausstellungshäuser bietet.

Schutzbereiche können softwareseitig angepasst, Sensoren bei Bedarf neu ausgerichtet oder positioniert und unterschiedlichste Exponate sowie Raumkonzepte zuverlässig abgesichert werden – ohne die Präsentation der Kunstwerke durch physische Barrieren einzuschränken. Besonders für Häuser mit regelmäßig wechselnden Ausstellungen und sich verändernden Raumstrukturen entsteht dadurch ein erheblicher Vorteil: Sicherheitslösungen lassen sich schnell an neue Anforderungen anpassen, ohne dass aufwendige Umbauten oder Neuinstallationen erforderlich sind.

Für die Kunsthalle München schafft dies die Grundlage, auch zukünftige Ausstellungen offener, immersiver und besucherfreundlicher zu gestalten, ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit eingehen zu müssen.

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