„Wir möchten unseren Kunden eine Perzeptionslösung aus einem Guss bieten“

Wie kam es zur Gründung Blickfelds? Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern, welche Meilensteine zu feiern? Diese und weitere Fragen beantworten in den nächsten Monaten die Blickfeld-Gründer.
„Wir möchten unseren Kunden eine Perzeptionslösung aus einem Guss bieten“

Ein Gespräch mit Rolf Wojtech, Blickfeld-Gründer und Chief Software Architect.

Kannst du dich in ein paar Sätzen vorstellen?

Mein Name ist Rolf Wojtech, ich bin einer der Gründer von Blickfeld. Ich habe an der TU München Informatik studiert, dann einige Jahre an Software-Großprojekten mitgearbeitet und 2010 mit zusammen mit Mathias Müller zunächst die Firma fos4X gegründet und erfolgreich aufgebaut. 2017 haben Mathias und ich gemeinsam mit Florian Petit Blickfeld mit der Vision gegründet, einen massenmarkt-tauglichen LiDAR-Sensor zu entwickeln.

Rolf ist Blickfeld-Gründer und Chief Software Architect
Rolf ist Blickfeld-Gründer und Chief Software Architect

Was hat dich dazu bewegt, zu gründen?

Am Anfang einer Gründung steht immer die Idee, für die man sich begeistert. Im Fall von fos4X war das die Erkenntnis, dass wir genau das richtige Team und den besten technologischen Ansatz haben, um faseroptische Messtechnik fit für die Anwendung im industriellen Umfeld zu machen. Genauso war es auch bei Blickfeld: Unsere Kernidee, einen möglichst großen MEMS-Spiegel für den Bau von LiDAR-Sensoren zu entwickeln, war und ist einzigartig.

Was ist der auffälligste Unterschied zwischen fos4X und Blickfeld?

Ich würde sagen die Geschwindigkeit, mit der wir vorangeschritten sind und die Firma entwickelt haben. Wenn man das erste Mal gründet, muss man sehr viele Dinge auf einmal lernen, mit denen man als Techniker sonst nicht so stark in Berührung kommt: Strategie-Entwicklung, Vertragsverhandlungen, wie man Investoren und Kunden begeistert. Beim zweiten Mal kann man auf viele Erfahrungen zurückgreifen und mit einem höheren Tempo eine Firma aufbauen.

Erstes Blickfeld Gruppenfoto 2017
Erstes Blickfeld Gruppenfoto 2017

Blickfeld ist ein Anbieter von LiDAR-Sensorik, wofür wird dabei Software gebraucht?

Wir benötigen Software an zwei unterschiedlichen Stellen: Zum einen auf dem Gerät selber zur Erzeugung der Sensordaten sowie zur Steuerung des Geräts. Für die Steuerung haben wir mit unserer WebGUI ein Tool zur Live-Datenvisualisierung entwickelt, das die Bedienung und Konfiguration des Sensors sehr praktikabel macht.

Des Weiteren wird Software benötigt, um die erfassten Sensordaten weiterzuverarbeiten. Viele unserer Kunden benötigen für ihre Anwendungen mehr als die LiDAR-Rohdaten, also die dreidimensionale Punktwolke. Sie möchten vielmehr wissen, wo sich Objekte befinden, wie viele Personen sich in einem bestimmten Bereich bewegen, in welche Richtung Fahrzeuge fahren. Um diese Fragen zu beantworten, kommt unser Team aus dem Object Recognition Lab zum Einsatz. Es entwickelt robuste und vielseitig einsetzbare Algorithmen für Anwendungen wie People Counting, Geländeabsicherung oder Parkplatzdetektion. Damit können wir dem Kunden gleich eine ganzheitliche Lösung anbieten, ohne dass er selber Experten zur Verarbeitung von Punktwolken rekrutieren muss. Das schafft natürlich einen großen Mehrwert.

Was macht ein Chief Software Architect?

Als Chief Software Architect überblicke ich die Software-Entwicklung im gesamten Unternehmen und achte darauf, dass die einzelnen Software-Komponenten gut zusammenpassen, wiederverwendbar sind und eine hohe Qualität haben. Zudem lege ich die Software-Roadmap fest und sorge dafür, dass unsere Software-Vision umgesetzt wird.

Was ist die Blickfeld Software-Vision?

Wir möchten unseren Kunden eine Perzeptionslösung aus einem Guss bieten, mit der nicht nur LiDAR-Daten aufgenommen, sondern zudem höhere Informationen wie z.B. die Position von Personen in der Szene gewonnen werden können. Wir stellen also neben dem Sensor ebenso die dazugehörige Software zur Verfügung und setzen somit auf eine Smart Sensing Solution. Dabei ist es uns zudem wichtig, dies nicht nur mit einem einzelnen LiDAR-Sensor im Standalone-Modus zu ermöglichen, sondern der Kunde soll auch großflächige Anwendungen, in denen zahlreiche Geräte fusioniert werden, umsetzen können.

Rolf und seine Mitgründer Mathias Müller und Florian Petit
Rolf und seine Mitgründer Mathias Müller und Florian Petit

Für welche Teams bist du verantwortlich?

Mein Hauptfokus liegt auf dem Object Recognition Team, das Lösungen zur Weiterverarbeitung von Punktwolken entwickelt. Zusätzlich sorge ich mit dem “Application and Production Software”-Team dafür, dass unsere Produktionsprozesse von einer starken Software-Landschaft unterstützt und getrackt werden. Dieses Team kümmert sich auch um Anwendungssoftware für unsere Kunden. Daneben verantworte ich noch das IT-Team und unterstütze auch unser Embedded-Software-Team bei Architekturfragen.

Wie sieht ein „normaler“ Tag bei Blickfeld für dich aus?

Morgens nehme ich an einem kurzen Meeting des Object Recognition Teams teil. Danach verläuft eigentlich jeder Tag etwas anders, da meine Aufgaben als Gründer sehr abwechslungsreich sind. Natürlich habe ich Regeltermine mit den Leitern der einzelnen Teams und auch die Abstimmung mit meinen Mitgründern, unserem COO und unserem Management-Team ist eine wichtige feste Komponente. Darüber hinaus hängt es stark davon ab, was gerade ansteht. So unterstütze ich viel in Projekten oder berate unsere Kunden über den bestmöglichen Einsatz unserer Software.

Was reizt dich an 3D-Daten?

Mich beeindruckt, wie viele Anwendungsfälle man mit direkter Auswertung der 3D-Information abdecken kann. In der Auswertung von 2D-Daten greift man heute eigentlich immer zu Machine Learning-Ansätzen, da ihre Interpretation mit “klassischen” Algorithmen so schwierig ist. Machine Learning benötigt aber oft ein aufwendiges Labeling, viel Rechenpower und ein lückenloses Training.
Bei LiDAR-Daten ist das anders. Gerade räumliche Fragestellungen, beispielsweise „Wie weit ist etwas weg?“, „Welchen Weg nimmt etwas?“, „Wie viel Volumen hat ein Objekt?“, können mit LiDAR-Daten direkt gelöst werden, ohne den Umweg über Machine Learning gehen zu müssen. So entstehende Algorithmen kann man in vielen Anwendungen wiederverwenden, ohne für neue Situationen aufwändig Labeldaten generieren und trainieren zu müssen.

Was ist die größte Herausforderung in der Arbeit mit 3D-Daten?

Die größte Herausforderung war, das richtige Team dafür aufzubauen. Während es für die Verarbeitung von 2D-Kameradaten sehr viele Experten gibt, ist die Verarbeitung von 3D-Daten heute noch eher eine Nische. Aber mittlerweile haben wir ein sehr schlagkräftiges Team dafür aufgestellt, darauf bin ich sehr stolz.

Blickfeld Cube 1 im Einsatz
Blickfeld Cube 1 im Einsatz

Wo siehst du Blickfeld in einem, in drei und in fünf Jahren?

Mit unserem Industrie-Produkt Cube 1, das seit 2020 auf dem Markt ist, sehen wir aktuell und in den nächsten Monaten viele spannende Kunden-Projekte und sind uns sicher, dass sich der Sensor im kommenden Jahr etabliert hat. Spannend ist es auch im Automobilmarkt, hier sehe ich in den nächsten Jahren unsere LiDAR-Sensorik in den ersten Fahrzeugen, etwa für erweiterte ADAS-Systeme.

Was ist deine Lieblingstradition bei Blickfeld?

Am meisten freue ich mich immer auf unsere gemeinsamen Team-Events. Selbst jetzt zu Corona-Zeiten haben wir gute virtuelle Alternativen gefunden und beispielsweise online Schach-Turniere oder einen Quiz-Abend organisiert. Aber unsere gemeinsamen Weißwurst-Frühstücke fehlen mir sehr!

Liebgewonnene Blickfeld-Tradition vor Corona: Weißwurstfrühstück
Liebgewonnene Blickfeld-Tradition vor Corona: Weißwurstfrühstück

Was war bisher das Aufregendste, das du bei Blickfeld erlebt hast?

Oh, da gibt es viele bemerkenswerte Momente. Als Gründer blickt man oft auf die ganz frühen Momente zurück, wie die erste bewegte Blickfeld-Punktwolke in 2017. Erstmalig zu beweisen, dass ein innovativer neuer Ansatz so gut funktioniert, wie man es berechnet und geplant hat, ist einfach überwältigend. Natürlich gab es seitdem unzählige weitere Höhepunkte wie die ersten Testfahrten auf dem Autodach oder die erste Fernsteuerung eines Fahrzeugs basierend auf unserer Technik.

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