Blickfeld wird 5: „Es ist noch so viel spannender und vielseitiger als wir bei der Gründung erwartet haben!“

Im Februar 2017 haben die drei Gründer Mathias Müller, Rolf Wojtech und Florian Petit gemeinsam mit Business Angel Sebastian Neusser den Grundstein für die revolutionäre LiDAR-Technologie aus München gelegt und die Blickfeld GmbH gegründet.
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Fünf Jahre sind seitdem vergangen und das Blickfeld-Team kann auf eine lange Liste erreichter Meilensteine zurückblicken. Seit 2020 sind die Blickfeld-Sensoren bei Kunden weltweit im Einsatz und bringen in den verschiedensten Anwendungen Mehrwert. Und es kommen täglich neue Anwendungen dazu – ermöglicht auch durch die einfach bedienbare und vielseitig einsetzbare Software Blickfeld Percept.

Wie blickt das Gründungsteam auf die ersten fünf Jahren zurück? Wie ist die Idee für die MEMS-basierte Blickfeld-Technologie entstanden? Und welche Tipps würden sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben? Ein Gespräch mit Mathias, Rolf und Florian.

Mathias, Rolf und Florian mit Blickfeld COO Terje Növig (v.l.n.r.)

5 Jahre Blickfeld – Was ist euer erster Gedanke dazu?

Mathias: Mein erster Gedanke ist tatsächlich: „Das hat bisher schon richtig Spaß gemacht!“

Florian: Das hat es! Mein erster Gedanke ist, dass wir extrem viel gelernt haben in diesen fünf Jahren. Es ist auch für uns immer noch faszinierend zu sehen, wie weit wir gekommen sind mit Blickfeld. Uns war – offensichtlich – von Anfang an klar, wie viel Potential das Thema LiDAR hat, aber inzwischen sehen wir, dass es noch so viel spannender und tiefgehender ist, als wir anfangs gedacht haben.  

Rolf: Das fasziniert mich auch am meisten – der Gedanke, dass wir mit unserer Technologie so viele Bereiche verbessern. Was wir in den letzten fünf Jahren auf die Beine gestellt haben, wird in ein paar Jahren aus vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sein. Das treibt mich an und macht mich stolz! Denn durch Blickfeld wird diese Technologie von einem Nischen-Produkt zu einem absoluten Standard-Element in der Wahrnehmungstechnologie werden.

Mathias: Ich finde es toll zurückzublicken und zu sehen, wie wir unsere ursprüngliche Idee in ein funktionierendes Produkt umgewandelt haben. Von der ersten Idee, über die Funktions-Analyse, zu den ersten Konstruktions-Versuchen im Keller, bis zum ersten funktionierenden Prototypen war es schon ein aufregender Weg. Und heute produzieren wir hochprofessionell und in großen Teilen automatisiert!

Rolf: Absolut. Zu sehen, wie sich Blickfeld von einer Idee zu einem Unternehmen entwickelt hat, das wöchentlich große Stückzahlen unserer Sensoren in die ganze Welt verschickt, macht so viel Spaß. All die Projekte, die wir gerade umsetzen, sind aus einer einzigen Idee heraus entstanden!

Wie kam es denn überhaupt zu dieser Idee?

Florian: Wir haben gesehen, dass optische Erfassungstechnik, auch durch den Aufschwung des Autonomen Fahrens, immer mehr Relevanz kriegt. Es war damals schon offensichtlich, dass die LiDAR-Sensorik kleiner und robuster werden muss, da haben wir angesetzt: Wie können wir die Technologie miniaturisieren? Wie können wir die mechanische Komplexität rausnehmen?

Rolf: Wir wollten verstehen, was einen LiDAR zum damaligen Zeitpunkt kompliziert und teuer machte und haben dann überlegt, wie wir das besser machen können.

Mathias: Wir haben schnell identifiziert, dass die Strahlablenkungseinheit der Knackpunkt ist und dass wir herausfinden müssen, wie wir einen möglichst großen Spiegel möglichst schnell bewegen können. Den mikromechanischen Ansatz hatten wir ziemlich schnell.

Rolf: Sehr früh war uns auch die Bedeutung der erfassten Informationen klar. Wir wussten, dass es nicht reicht, eine tolle Hardware zu entwickeln.

Florian: Genau, der Mehrwert der Technologie liegt ganz klar darin, die vom Sensor produzierten Daten so umzusetzen, dass sie verständliche Informationen liefern und somit den Endkund:innen Mehrwert bringen.

Das Gründer-Team mit Business Angel Sebastian Neusser (rechts) and Professor Alexander Koch (Mitte), TUM auf der Blickfeld Gründungsparty

Was waren die nächsten Schritte nachdem ihr eure Idee formuliert hattet?

Mathias: Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, den klassischen Weg eines Start-ups in Deutschland zu gehen, also zunächst mit einem Gründerstipendium und Förderungen zu starten, bis wir nach ein paar Jahren eine Venture Capital-Finanzierung hätten einsammeln können. Uns war bewusst, dass das Produkt, was wir entwickeln möchten, dafür zu komplex ist und unsere Pläne zu groß. Daher haben wir die ersten Schritte übersprungen und bereits in unserer Seed-Finanzierung auf Venture Capital gesetzt.

Rolf: Dabei hat uns sicherlich geholfen, dass Mathias und ich zuvor bereits das Start-up fos4X gegründet hatten. Wir haben uns gleich höhere Ziele gesetzt und das hat sich ausgezahlt.

Das Blickfeld-Team ist bisher auf über 130 Mitarbeitende gewachsen. Was macht das Team aus?

Rolf: Wir haben über die letzten fünf Jahre so viele talentierte und engagierte Menschen zusammengebracht, die alle an einem Strang ziehen und gemeinsam an unseren Lösungen arbeiten. Dabei haben wir uns früh gewisse Werte auf die Fahne geschrieben und wir versuchen, den Blickfeld-Spirit auch in dem viel größeren Team zu leben. Denn dieser Spirit ist ein wichtiger Teil von dem, was Blickfeld ausmacht!

Mathias: Dem stimme ich absolut zu. Es ist eine wichtige und nicht immer ganz einfache Aufgabe, diese Werte in einem schnell wachsenden Team weiterzutragen und beizubehalten – eine Aufgabe, die wir und das gesamte Team sehr ernst nehmen. Ein großes und vielseitiges Team bedeutet aber auch, dass wir wahnsinnig viel voneinander lernen können, das schätze ich sehr.

Florian: Ich denke, dass uns als Team die Zusammensetzung unserer unterschiedlichen Skill-Sets und Hintergründe ausmacht. Um eine solche Idee in ein funktionierendes Produkt bestehend aus Hardware und Software zu bringen, zu produzieren und zu verkaufen, braucht es eine starke und vielseitig qualifizierte Mannschaft. Genau das ist das Blickfeld-Team.

Das Blickfeld-Team auf der Feier zum zweiten Geburtstag

Was war euer bedeutendster Blickfeld-Moment?

Mathias: Der Gründungsmoment. Und zwar nicht der, als wir beim Notar waren und unterschrieben haben, sondern als wir zusammensaßen und gesagt haben „Das machen wir!“. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns den Markt angeschaut und erste Ideen entwickelt, aber wir wussten noch nicht, ob diese sich wirklich umsetzen lassen würden. Trotzdem haben wir die Entscheidung getroffen, es zu wagen. Das war mein bedeutendster Blickfeld-Moment.

Florian: Ich weiß nicht, ob es den EINEN Moment gibt, aber es gibt genug, die mich richtig beeindruckt haben. Zum Beispiel Mathias und Rolf dabei zuzusehen, wie sie die Firma von Anfang an strukturiert haben und Teams aufgebaut haben. Da war ihre Erfahrung bei fos4X Gold wert und hat Blickfeld ganz viel gebracht.

Rolf: Für mich sind es so zahlreiche Momente, da ist es schwer einen auszuwählen. Gerade in der Produktentwicklung waren es viele Schritte: Als wir zum ersten Mal eine Punktwolke produziert haben oder als wir zum ersten Mal die Technologie in ein kleineres Format gebracht hatten und nicht mehr den riesigen Sensorkoffer brauchten.

Eine der ersten Punktwolken des Blickfeld Cubes

Wo seht ihr Blickfeld in den nächsten 5 Jahren?

Florian: Ich freue mich darauf zu sehen, wie unsere Produkte für mehr und mehr Kund:innen Wert schaffen.

Rolf: Das sehe ich auch so. Industrien werden durch unser Produkt verändert, Prozesse digitalisiert, vereinfacht und effizienter gestaltet. Das wird in den kommenden Jahren noch weiter an Fahrt aufnehmen und es wird immer deutlicher werden, welchen Einfluss LiDAR, und speziell die Blickfeld-Technologie, hat.

Mathias: In fünf Jahren sehe ich uns als globales Unternehmen, dessen Produkte die natürliche Wahl für Umfelderfassung sind. Meine Vision ist es auch, unsere Technologie letztendlich bis zum Endanwender zu bringen, etwa wenn es um Garagentore oder die automatisierte Außenbeleuchtung von Privathäusern geht. Das ist die logische Erweiterung unserer bedienerfreundlichen Software-Lösung Blickfeld Percept.

Welchen Tipp gebt ihr Gründer:innen mit?

Mathias: Gründet mit richtig guten Freunden!

Rolf: Prüft die Idee, auf der ihr euer Unternehmen aufbauen möchtet, sehr genau. In diese Idee wird sehr viel eurer Energie fließen in den nächsten Jahren, daher sollte es eine wirklich gute sein.

Florian: Seid selbstbewusst und mutig, glaubt an euch selbst und eure Idee!

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