Fit für die Zukunft: LiDAR-Technologie digitalisiert Skigebiete

LiDAR-Sensorik hat das Potential einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung und langfristigen Wettbewerbsfähigkeit von touristischen Destinationen beizutragen. Der Einsatz der Technologie kann vor allem im Bereich intelligente Besucherlenkung großen Mehrwert bringen. Wie dies konkret in Skigebieten aussehen könnte, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Im Bestreben das Erlebnis „Skifahren“ attraktiver zu gestalten, stehen Betreibende von Skigebieten vor einigen Herausforderungen. Überfüllte Parkplätze, volle Pisten und lange Wartezeiten am Lift schrecken Touristen in der Hochsaison ab. Hinzu kommt ein anspruchsvolleres Freizeitverhalten der Gesellschaft mit neuen Kommunikationswegen, die die Art und Weise wie wir uns informieren, Entscheidungen treffen und Veranstaltungen, Erlebnisse oder Hotels buchen, stark beeinflussen. Um diese Herausforderungen zu meistern und als Skigebiet wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Abläufe gut funktionieren und die sich wandelnden Bedürfnisse der Wintersportler:innen durch neue und digitale Lösungen adressiert werden.

Die Einführung von Mobile und Online Ticketing, Apps mit GPS-Tracking oder digitale Gästekarten sind bereits erste Schritte in Richtung Digitalisierung, doch es gibt noch viel Potential und Handlungsbedarf bei der Implementierung von neuen Technologien auf Seiten der Betreibenden. Dies hat vor allem auch die Corona-Pandemie nochmal vor Augen geführt: Besucherlimits und Abstandsregelungen haben z.B.  bestehende Besucherlenkungskonzepte auf die Probe gestellt und den Bedarf an neuen Ansätzen verdeutlicht. Wie können also neue Lösungen in Skigebieten aussehen, die zur Steigerung der Erlebnisattraktivität beitragen und welche Rolle kann LiDAR dabei spielen?

Was bedeutet Besucherlenkung?
Bei der Besucherlenkung handelt es sich um Maßnahmen zur Regulierung von Besucherströmen hinsichtlich ihrer räumlichen, zeitlichen und quantitativen Verteilung innerhalb der Aufnahmekapazitäten einer touristischen Region. Ziel ist dabei, die Harmonisierung von Gästen und Einwohnern sowie der Natur zu schaffen. Die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung sind umfassende Echtzeit-Informationen zum Besucheraufkommen sowie deren Bewegungen und Verhaltensweisen im Zielgebiet.

Entspannt ins Skigebiet: Optimierung durch exakte Daten

Das Erlebnis „Skifahren“ beginnt für die Gäste bereits mit der Anreise in das Skigebiet. Neben der individuellen Anreise der Wintersportler:innen gibt es zudem einige Skigebiete, die aufgrund der geografischen Gegebenheiten nicht über ausreichend Parkmöglichkeiten für die Besucher:innen verfügen oder den Zugang bewusst beschränken, um eine umweltfreundlichere Anreise zu fördern und einer Überlastung in Hoch-Zeiten vorzubeugen. In diesen Fällen setzen Betreibende Busshuttles, die sogenannten „Skibusse“ ein, welche die Gäste gratis zwischen Tal und Skigebiet hin und her transportieren. Dabei ist wichtig, dass die An- und Abreise reibungslos abläuft. Überfüllte Busse oder lange Wartezeiten können für Unmut sorgen und die Zufriedenheit negativ beeinflussen, sodass sich Wintersportler:innen für den nächsten Ski-Ausflug eventuell ein anderes Gebiet aussuchen.

Für die Skigebiete steckt hinter diesem Gästetransport nicht nur ein hoher organisatorischer, sondern auch finanzieller Aufwand. Um den Prozess zielführender und so effizient wie möglich zu gestalten, ist es für die Betreibenden wichtig, zuverlässige Informationen darüber zu haben, wie viele Personen tagtäglich transportiert werden und sich vor Ort befinden. Nur so können sie sicherstellen, dass genug Busse fahren bzw. die gecharterten Busse auch ausgelastet sind. Wie kommen die Skigebiet-Betreibenden an zuverlässige Informationen zur Bus-Auslastung?

Personenzählung leicht gemacht durch LiDAR

Bisher erfolgt das Zählen meist manuell über die Busfahrer:innen, was einerseits einen zusätzlichen Aufwand für diese bedeutet und andererseits Fehlerquellen birgt, wenn z.B. viele Personen vorne und hinten gleichzeitig aus dem Bus ein- und aussteigen. Daher gibt es bereits verschiedene Ansätze Sensortechnologien einzusetzen, die die Aufgabe des Passagierzählens übernehmen können. So sind Busparkplätze oft mit Kameras ausgestattet. Diese generieren einen Video-Feed, benötigen jedoch eine Objekterkennungssoftware, um Personen zu detektieren und zu zählen. Ein solcher Zwischenschritt birgt immer Fehlerpotential und setzt Computing-Power voraus. Dabei spielen auch die Witterungsbedingungen eine entscheidende Rolle, da die Bildqualität bei Dunkelheit oder Niederschlag schnell stark beeinträchtigt sein kann. Sobald Personen detektiert werden, können zudem personenbezogenen Daten aufgezeichnet und gespeichert werden, was schnell zu datenschutzrechtlichen Problemen führen kann. Auch der Einsatz von Radar-Sensoren weist Schwächen auf, da die Auflösung hier häufig nicht reicht, um Objekte voneinander zu unterscheiden und zu klassifizieren.

Die LiDAR-Technologie kann hier Abhilfe schaffen. Die laser-basierten Sensoren generieren zuverlässig Daten, die in einer 3D-Punktwolke dargestellt werden und ein exaktes Abbild der Umgebung in Echtzeit wiedergeben. Dazu wird ein LiDAR-Sensor am Busparkplatz in die bestehende Infrastruktur integriert. Dies könnte z.B. ein Laternenmast sein. Wichtig ist dabei, dass der kritische Bereich, also der Ankunfts- und Abfahrtsbereich der Busse, überblickt wird.

Um nun zu zählen, wie viele Personen aus dem Bus aussteigen, werden mit Hilfe der zum Sensor gehörenden Perzeptionssoftware in der Punktwolke sogenannte Zählzonen eingerichtet. Sobald eine Person aus dem Bus aussteigt, wird sie innerhalb der Punktwolke als Objekt detektiert und beim Verlassen der Zone gezählt. Im Dashboard wird dann die absolute Zahl an Personen angezeigt, die die Zählzone durchschritten haben. Dank der Punktwolkendarstellung, bestehend aus 3D-Daten, sind keine Rückschlüsse auf die einzelnen Personen im Blickfeld möglich und deren Privatsphäre wird geschützt. Auch bei Schneefall, Nebel oder Dunkelheit kann der LiDAR-Sensor die Gäste problemlos erfassen.

Die Betreibenden erfahren somit in Echtzeit, wie viele Personen pro Fahrt im Skigebiet ankommen. Anhand dieser Informationen können sie agiler handeln und ihren Betriebslauf optimieren, indem z.B. die Fahrpläne der Busse angepasst oder die Größe und Anzahl der Busse gezielter gesteuert werden. Dies wirkt sich letztlich positiv auf die Zufriedenheit der Besuchenden aus und hat Potential zur Kostenoptimierung, wenn beispielsweise weniger Busse benötigt werden. 

Auslastung der Pisten und Wartezeiten optimal managen

Doch nicht nur in der Besucherzählung für Busshuttles gibt es Einsatzmöglichkeiten für LiDAR. Peter Hartl ist Experte für GIS (Geographische Informationssysteme) und GPS-Dienstleistungen sowie Geschäftsführer von Hartl Consulting, einem Planungsbüro für Bergbahnen, Skigebiete und Tourismusorganisationen. Er arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Skigebieten zusammen und sieht in der LiDAR-Technologie großes Potential für die Digitalisierung in diesem Bereich.

„Die Sensorik eignet sich auch für die Analyse von Bewegungsströmen im Skigebiet selbst, da das Erfassen und Zählen der Personen immer eine Herausforderung darstellt. Besonders interessant ist die Zählung der Wintersportler:innen an den Talstationen, um die Auslastung der Lifte besser steuern zu können“, so Hartl. Vor allem in großen Skigebieten sind beliebte Abfahrten in der Hauptsaison stark frequentiert, wodurch die Besuchenden oftmals mit langen Wartezeiten am Lift konfrontiert werden, was sich negativ auf das Gästeerlebnis auswirken kann. Wie könnte die Zählung am Lift nun konkret aussehen?

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LiDAR-Sensor überblickt Wartebereich vor dem Skilift

Für die Erfassung der Wartenden am Lift werden LiDAR-Sensoren beispielsweise an der Talstation so montiert, dass sie den Ankunftsbereich der Ski- und Snowboardfahrer:innen überblicken können. Wie auch am Busparkplatz, wird eine Zone festgelegt, in der die als Personen erfassten Objekte anonym gezählt werden. Der Betreibende kann so in Echtzeit und unabhängig vom Wetter genau sehen, wie viele Personen vor der Station anstehen und auf dieser Basis die Wartezeit berechnen. Diese kann dann beispielsweise in der App des Skigebiets, direkt an der Station und/oder auf den Liftplänen angezeigt werden. Für die Wintersportler:innen ist es eine wichtige Information anhand derer sie z.B. entscheiden, welche Piste sie für die nächste Abfahrt wählen. Die Betreibenden bieten den Ski- und Snowboardfahrer:innen damit einen weiteren Service, der positiven Einfluss auf das Gesamterlebnis nehmen kann. Zugleich arbeiten sie mit einer zuverlässigen Datenquelle, die den Akteur:innen eine bessere Steuerung der Auslastung der Pisten und Lifte sowie der Besucherlenkung ermöglicht. Darüber hinaus ergänzt Peter Hartl, dass die durch LiDAR gewonnenen Daten auch für die Pflege, Instandhaltung und Sicherheit der Pisten verwendet werden können. 

LiDAR: Wegbereiter der Digitalisierung in Skigebieten

Die LiDAR-Technologie kann touristische Destinationen maßgeblich darin unterstützen, Prozesse effizienter und das Gästeerlebnis attraktiver zu gestalten, wodurch sie zugleich wettbewerbsfähiger werden. Mithilfe der Echtzeitdaten wird vor allem die intelligente Steuerung und Lenkung von Besucherströmen in stark frequentierten Räumen wie Skigebieten ermöglicht, was ein wichtiger Ansatz für einen verträglichen und geregelten Tourismus ist. Der strategische Einsatz von neuen Technologie-Lösungen wie LiDAR ist demnach essentiell für die Zukunft im Tourismus und ermöglicht der Digitalisierung einen wichtigen Schritt nach vorne.

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