Ob der Umbau einer Kreuzung, die Planung neuer Radverkehrsanlagen oder die Optimierung von Ampelschaltungen – nahezu jede verkehrsplanerische Maßnahme beginnt mit einer belastbaren Datengrundlage. Dabei reicht es heute nicht mehr aus, lediglich die Anzahl der Fahrzeuge zu erfassen. Gefragt sind detaillierte Informationen über Verkehrsströme, Geschwindigkeiten, Fahrzeugarten und das Zusammenspiel aller Verkehrsteilnehmender.
Mit der zunehmenden Vielfalt im Straßenverkehr steigen auch die Anforderungen an die Datenerhebung. Neben Pkw und Lkw prägen Fahrräder, E-Scooter und Fußgänger das Verkehrsgeschehen. Gleichzeitig sollen Maßnahmen nicht nur den Verkehrsfluss verbessern, sondern auch die Sicherheit erhöhen und langfristig zur nachhaltigen Mobilitätsplanung beitragen. Moderne Verkehrserfassung muss daher mehr leisten als eine klassische Zählung – genau hier setzt die Verkehrszählung mit LiDAR an.
Welche Informationen liefert eine moderne Verkehrszählung?
Eine zeitgemäße Verkehrsdatenerhebung bildet das gesamte Verkehrsgeschehen ab und schafft eine fundierte Grundlage für Analysen und Planungsprozesse. Je nach Anwendungsfall können unter anderem folgende Daten erfasst werden:
- Verkehrsaufkommen und Verkehrsfluss
- Fahrzeugklassifizierung nach definierten Standards
- Geschwindigkeitsverteilungen
- Fahrtrichtungen und Abbiegebeziehungen
- Stauerkennung
- Bewegungen von Pkw, Lkw, Fahrrädern, Fußgängern und weiteren Verkehrsteilnehmenden

Diese Informationen ermöglichen nicht nur die Bewertung des aktuellen Verkehrsaufkommens, sondern liefern auch Erkenntnisse über das tatsächliche Mobilitätsverhalten und die Nutzung vorhandener Infrastruktur.
Verkehrserfassung im Vergleich: Welche Technologie eignet sich für welchen Anwendungsfall?
Für die Verkehrsdatenerhebung kommen seit vielen Jahren unterschiedliche Technologien zum Einsatz, die alle ihre spezifischen Vor- und Nachteile mitbringen. Induktionsschleifen und pneumatische Zählschläuche werden häufig für klassische Verkehrszählungen eingesetzt und liefern belastbare Daten zum reinen Verkehrsaufkommen. Allerdings erfordert beispielsweise die Installation von Induktionsschleifen aufwendige Straßenbauarbeiten. Zudem liefern sie einen eher reduzierten Datensatz: Sie können Fahrzeuge zwar zählen, aber oft nur ungenau klassifizieren. Ein weiterer entscheidender blinder Fleck ist, dass Fußgänger und Radfahrer außerhalb der Fahrbahn mit dieser Methode überhaupt nicht erfasst werden können.
Radarsensoren erfassen zusätzlich Geschwindigkeiten und ermöglichen eine zuverlässige Fahrzeugklassifizierung, stoßen jedoch bei der präzisen Trennung von dicht hintereinander fahrenden Fahrzeugen oder der Erfassung schwächerer Verkehrsteilnehmer oft an ihre Grenzen. Kamerabasierte Systeme wiederum können das Verkehrsgeschehen anhand von Bilddaten tiefgreifend analysieren. Ihre Leistung ist jedoch stark von den herrschenden Licht- und Wetterverhältnissen abhängig – bei Dunkelheit, starkem Regen oder Nebel sinkt die Erkennungsrate deutlich. Darüber hinaus bringt die Verarbeitung von Bilddaten stets komplexe datenschutzrechtliche Herausforderungen mit sich.
Die Klassiker im Kurzprofil:
- Induktionsschleifen: In die Fahrbahn eingelassene Kabel reagieren auf Metall. Durch sogenannte Doppelschleifen können sie über die Fahrzeuglänge und den „magnetischen Fußabdruck“ zwischen PKW, LKW und Motorrad unterscheiden. Der Haken: Aufwendige Erdarbeiten und keine Erfassung von Fußgängern.
- Radarsensoren: Sie senden elektromagnetische Wellen aus und messen die Reflexion. Das macht sie extrem stark darin, Geschwindigkeiten bei jedem Wetter zu erfassen. Der Haken: Wenn Fahrzeuge oder Fahrräder im Pulk sehr dicht beieinander fahren, verschmelzen sie für das Radar oft zu einem einzigen Objekt.
- Kamerasysteme: Sie filmen das Geschehen und eine Software wertet die Bilder aus. Das liefert auf dem Papier die tiefsten Einblicke in komplexe Verkehrssituationen. Der Haken: Sobald es dunkel wird, regnet oder die Sonne blendet, sinkt die Genauigkeit drastisch. Zudem ist die Verarbeitung von Bilddaten datenschutzrechtlich oft eine Hürde.
LiDAR liefert Daten über die klassische Zählung hinaus
Eine Verkehrszählung mit LiDAR erweitert die Möglichkeiten bestehender Verkehrserfassungssysteme um eine hochauflösende dreidimensionale Erfassung des Verkehrsraums. Die Sensoren erzeugen ein präzises räumliches Abbild der Umgebung und erfassen Bewegungen unabhängig von Farb- oder Lichtverhältnissen.
Die einzelnen Messpunkte werden zu eindeutig identifizierbaren Objekten zusammengeführt. Dadurch wird nicht nur erkannt, dass sich ein Verkehrsteilnehmer im Erfassungsbereich befindet, sondern auch, um welche Objektart es sich handelt. Zusätzlich lassen sich Merkmale wie Länge, Breite und Höhe bestimmen. Gleichzeitig wird die exakte Position im Raum erfasst, sodass Fahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger über ihren gesamten Bewegungsverlauf hinweg präzise verfolgt werden können.
Ein weiterer Vorteil liegt in der datenschutzfreundlichen Erfassung. Da ausschließlich Abstandsdaten und keine identifizierbaren Bilddaten verarbeitet werden, eignet sich LiDAR besonders für Anwendungen, bei denen sowohl eine hohe Datenqualität als auch der Schutz personenbezogener Informationen im Vordergrund stehen.

Warum fest installierte LiDAR-Sensoren einen Mehrwert bieten
Während mobile Verkehrszählungen vor allem für kurzfristige Untersuchungen oder Vorher-Nachher-Vergleiche eingesetzt werden, schaffen fest installierte LiDAR-Sensoren eine kontinuierliche Datengrundlage. Dadurch lassen sich Entwicklungen über Wochen, Monate oder Jahre hinweg beobachten und Veränderungen im Verkehrsverhalten frühzeitig erkennen.
Insbesondere an stark frequentierten Kreuzungen, Unfallschwerpunkten oder neu gestalteten Verkehrsanlagen liefern dauerhaft installierte Sensoren einen erheblichen Mehrwert. Statt einzelner Momentaufnahmen entstehen langfristige Datensätze, die saisonale Schwankungen, Veränderungen im Mobilitätsverhalten oder die Wirkung baulicher Maßnahmen sichtbar machen.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass dieselbe Infrastruktur für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden kann. Neben der kontinuierlichen LiDAR-Verkehrszählung lassen sich beispielsweise Verkehrsflüsse analysieren, Staus erkennen oder sicherheitsrelevante Ereignisse dokumentieren. Dadurch wächst der Nutzen der Installation weit über die eigentliche Datenerhebung hinaus.
Wie funktioniert smarte LiDAR-Sensorik?
LiDAR steht für Light Detection and Ranging. Der Sensor sendet unzählige, für das menschliche Auge unsichtbare Laserimpulse pro Sekunde aus und misst die Zeit, bis das Licht von einem Objekt (z. B. einem Auto oder Fußgänger) reflektiert wird (Time-of-Flight-Prinzip). Aus diesen Milliarden von Messpunkten entsteht eine hochpräzise, dreidimensionale „Punktwolke“ der Umgebung. Eine integrierte Software analysiert diese Punkte in Echtzeit, klassifiziert die Verkehrsteilnehmer und errechnet deren exakte Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung – und das absolut anonym, ohne die Verarbeitung von Bilddaten.

Der nächste Schritt zur intelligenten Verkehrsinfrastruktur
Verkehrszählung ist heute weit mehr als das Erfassen von Fahrzeugzahlen. Moderne Infrastrukturprojekte erfordern detaillierte Informationen über Verkehrsströme, Bewegungsmuster und die Nutzung des Verkehrsraums.
Fest installierte Sensoren für die Verkehrszählung mit LiDAR schaffen hierfür eine kontinuierliche und präzise Datengrundlage. Sie verbinden die klassische Verkehrszählung mit einer umfassenden Verkehrsverhaltensanalyse und liefern langfristig belastbare Erkenntnisse für Planung, Betrieb und Optimierung von Verkehrsinfrastruktur. Dadurch wird aus einer einzelnen Messung ein dauerhaftes Instrument zur Bewertung und Weiterentwicklung des Verkehrsgeschehens.
